Neues Jahr – neue gute Vorsätze: Laut einer Studie der DAK-Gesundheit, fassen rund 40 Prozent der deutschen Bürger Neujahrsvorsätze. Auf Platz 1: mehr auf die eigene Gesundheit zu achten.
Darunter fällt zu 60% Stressabbau/Stressvermeidung, zu 49% eine gesündere Ernährung, zu 34% Gewichtsreduktion sowie zu jeweils 16% und 11% weniger Alkohol und Tabak zu konsumieren (DAK).

Ende 2018 gab etwa die Hälfte der in diesem Jahr Befragten an, ihre Vorsätze zumindest mittelfristig eingehalten zu haben. Die andere Hälfte scheiterte an ihrem Vorhaben.
Woran können diese Unterschiede festgemacht werden? Ist es möglich, dass die individuelle Persönlichkeit eines Menschen Einfluss auf dessen Gesundheit hat? Inwieweit beeinflussen Persönlichkeitsmerkmale das körperliche und psychische Wohlbefinden? Gibt es Menschen, die aufgrund ihrer Persönlichkeit achtsamer mit ihrer Gesundheit umgehen als andere es tun?

Im Rahmen einer quantitativen Studie hat concept m research + consulting 1.570 Personen aus Deutschland rund um Gesundheit, Sport und Ernährung befragt. Zuzüglich wurde die Basispersönlichkeit der Befragten mit Hilfe einer verkürzten Itembatterie des „Big-5-Persönlichkeitstests“ erhoben.

Laut Costa und McCrae (1999) setzt sich die menschliche Persönlichkeit aus fünf zentralen Faktoren zusammen, welche heute unter dem Begriff „Big 5“ bekannt sind:

1) Extraversion (selbstsicher, aktiv, gesprächig),
2) Verträglichkeit (verständnisvoll, mitfühlend, kompromissbereit),
3) Gewissenhaftigkeit (sorgfältig, zuverlässig, organisiert),
4) Neurotizismus (unsicher, nervös, ängstlich),
5) Offenheit (wissbegierig, phantasievoll, experimentierfreudig).

Jeder Mensch besitzt, je nach Ausprägung der einzelnen Faktoren, ein individuelles Persönlichkeitsprofil.

Verbindet man die Persönlichkeitsfaktoren mit Fragen zur Gesundheit und Vorsorge, ergibt sich folgendes Bild in unserer Studie: Es zeigt sich, dass Befragte mit hohen Werten im Neurotizismus im Vergleich den schlechtesten allgemeinen Gesundheitszustand angeben. Andere Persönlichkeitsfaktoren schlagen sich hingegen weniger auf den allgemeinen Gesundheitszustand durch. Eine Erklärung hierfür findet man beispielsweise bei Becker (2002): Neurotizismus kann als prospektiver Indikator für, vor allem, psychische Erkrankungen wie Depressionen, Phobien, Panik- und Angststörungen angesehen werden. Niedrige Ausprägungen im Neurotizismus seien hingegen gesundheitsfördernd.

Noch deutlicher wird ein möglicher negativer Einfluss von Neurotizismus in Bezug auf die Achtsamkeit für die eigene Gesundheit. Gemeint ist hiermit das aktive Wahrnehmen des eigenen psychischen und körperlichen Befindens. Befragte mit hohen Werten im Neurotizismus üben die niedrigste Selbstfürsorge aus. Auch nehmen diese Personen Vorsorgeuntersuchungen in etwas geringerem Maße wahr, als es andere Befragte tun. Die oftmals angebrachte Hypothese, dass neurotische Personen aus Angst vor möglichen Krankheiten vermehrt ärztlichen Rat aufsuchen, kann innerhalb dieser Studie demnach nicht festgestellt werden.
Am achtsamsten in Bezug auf ihre Gesundheit sind – wenig überraschend – Befragte mit hoher Ausprägung in der Gewissenhaftigkeit. Gewissenhafte Personen verfügen in der Regel über eine hohe Selbstdisziplin und sind eher in der Lage „ungesundem Genuss“ zu widerstehen und sich dadurch gesundheitsförderlichere Lebensbedingungen zu gestalten.

Insgesamt kann ein Einfluss von Persönlichkeit auf die Gesundheit durchaus festgestellt werden. Schon in dem 1991 entwickelten „Regenbogenmodell“ (Whitehead, Dahlgren) wird verdeutlicht, dass dem Menschen Alter, Geschlecht und Erbanlagen (welche sich durchaus in der Ausprägung der Big-5 niederschlagen), als festgelegte Faktoren gegeben sind. Darüber hinaus gibt es jedoch eine große Anzahl weiterer Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit. Diese werden überwiegend durch unser persönliches Verhalten im Alltag, unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie durch wirtschaftliche, kulturelle und psychische Umweltbedingungen ausgestaltet.

Autorinnen:
Joanna Czock, Project Manager Quantitative
Manuela Ferdinand, Project Manager Quantitative

Literatur:

Becker, P. (2002). Persönlichkeit und Gesundheit. In R. Schwarzer, M. Jerusalem & H. Weber (Hrsg.), Gesundheitspsychologie von A bis Z. Ein Handwörterbuch (S. 384-388). Göttingen: Hogrefe.

McCrae, R. R., & Costa, P. T., Jr. (1999). A Five-Factor theory of personality. In L. A. Pervin & O. P. John (Eds.), Handbook of personality: Theory and research (S. 139-153). New York, NY, US: Guilford Press.

DAK-Gesundheit (2018): Vorsätze für das Jahr 2019. Abgerufen am 18. Januar 2019, von https://www.dak.de/dak/download/studie-2038096.pdf

Dahlgren G, Whitehead M. (1991). Policies and Strategies to Promote Social Equity in Health. Stockholm, Sweden: Institute for Futures Studies.

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