Die Gigabit Society ist von Daten geprägt. Doch was macht das aus uns? Drei Fragen an die psychologischen Markforscher Thomas Ebenfeld und Dr. Klaus Schulte von concept m:

Was heißt Gigabit Society?
Ebenfeld: Mit Blick auf Datennutzung entstammen wir einer Pioniergesellschaft – das Internet ist eine junge Technik. Ein Großteil der heutigen Generation hat die Datenwelten aktiv entdeckt, erobert, mit den Innovationen experimentiert. Sie ist nach und nach in die digitale Umwelt hineingewachsen. Diese Menschen haben daher eine ausgeprägte Identität mit Werten, die sich abseits des digitalen, der virtuellen Vernetzung entwickelt haben. Die Generation einer reinen Gigabitgesellschaft hat hingegen von Kind auf eine digitale Nabelschnur. Das Wisch-und-Weiter-Phone ist nahezu zum Körperteil geworden, das den smarten Weltzugriff ermöglicht. Das wirft durchaus Fragen auf, für Antworten kennen wir aber erst Tendenzen.

Welche Fragen?
Dr. Schulte: Ein Dasein in der Datenwelt prägt den Charakter. Die virtuelle Identität ist Teil des Ichs, man digitalisiert persönliche Emotionen, teilt Erlebnisse. Zugleich ist diese Generation im Digitalrausch Medien-, Marken- und Konsumprofi. Sie ist geprägt durch eine hohe Entscheidungsgeschwindigkeit und befindet sich in einem Strudel wandelnder Angebote. Veränderungen sind ihr Alltag. Das Urprinzip der Stabilität fehlt hingegen.

Was sind die Konsequenzen daraus?
Ebenfeld: Wir bewegen uns noch im Bereich der Hypothese. Die Fragen nach Identität, nach Reflexion, wie datenverwachsen wir sein werden und wollen, spielen eine Rolle. Und auch das zeigt sich bereits: Jeder Trend hat Gegentrends. Es gibt schon eine „Zurück-zu-analog-Bewegung“, das „digitale Detox“

Aber es gibt doch Brücken zwischen beiden Welten?
Dr. Schulte: Sicher, beispielsweise versammelt man sich sonntags zum antiquierten, doch trendigen „Tatort“. Real und über den Second Screen, via Twitter und Co., wird ausgerechnet die sonntagabendliche Suche nach dem Mörder zum verbindenden Erlebnis. Der Täter wird ermittelt, und man kann wieder erholt in die Woche starten.

Ebenfeld: Hier wird uns das Prinzip der Stabilität geschenkt. Das komplexe Beispiel zeigt aber, dass die Mechanik nicht beliebig zu transferieren ist.

 

Das Interview ist beim VODAFONE Enterprise Forum  im Oktober 2016 durchgeführt worden.

Mehr Informationen zu dem Thema erhalten Sie gerne auf Anfrage bei: thomas.ebenfeld@conceptm.eu und klaus.schulte@conceptm.eu

 

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